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Der letzte Schnee

Theaterstück nach dem Roman von Arno Camenisch

Konzert Theater Bern | Vidmarhalle 1 | Uraufführung

Die Produktion war zum Schweizer Theatertreffen 2020 eingeladen!

Am 8. November 2019 ging die Uraufführung vom letzten Schnee über die Bühne der Vidmarhalle 1 in Bern. Das Publikum und die Presse waren ziemlich angetan von unserer Inszenierung.

© Fotos Annette Boutellier

Begründung der Jury zur Einladung zum Schweizer Theatertreffen 2020

[…] Am Konzert Theater Bern scheint Jonas Knecht, der St.Galler Schauspielchef, die beiden Gestalten zunächst direkt aus einem Alpental ausgeschnitten und ins Theater importiert zu haben, inklusive dem Tannli neben und dem diversen Gerümpel hinter dem Skilifthäuschen. Der Sound des Romans bekommt auf der weit offenen Bühne viel Raum.
Soweit so texttreu. Doch Romane auf der Bühne brauchen etwas mehr, das Medium Theater muss seine Stärken einbringen. Der scheinbare Naturalismus wird hier fein unterlaufen und überhöht: Einerseits durch Anna Trauffers Live-Musik zwischen Glasharfenklängen und Mahler-Adaption, die einen doppelten Boden schafft. Andererseits durch den Kunstgriff der Regie, den beiden Berglern zwei unsichtbare, aber effiziente Spezialisten der Vergänglichkeit gegenüberzustellen. Geisterhaft, aber überhaupt nicht unheimlich, räumen sie auf, was nicht mehr gebraucht wird. Was kann alles weg? Das Resultat am Schluss dieses 95-minütigen Requiems ist in seiner Lakonik eher erschreckend als überraschend. (Tobias Gerosa)

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Presse

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Column: 1

Anne-Sophie Scholl in “Der Bund” vom 10.11.2019:
«Der letzte Schnee ist der bisher stärkste und erfolgreichste Roman von Arno Camenisch. Die Inszenierung bleibt nah am Text und schafft es, die Variationen über das Verschwinden in starke Bilder auf die Bühne zu übersetzen: ein kleines, kauziges Welttheater, in dem sich Trost und Verlorenheit aufheben. «Der Tod kuriert uns vom Leben», sagt der Georg. Am Ende ist der Schlepplift abgestellt. Und doch ziehen im Hintergrund der Bühne die Bügel eines Schlepplifts ihren Kreis.»

Andreas Kläui im SRF Kultur kompakt vom Montag, den 10.11.2019:
«Am Ende liegt das Skihüttlein in seine Einzelteile zerlegt, sorgfältig angeordnet auf der Bühne, wie ein Sinnbild für einen Schweizer Wintersport, der vielleicht schon bald der Vergangenheit angehört, wenn der Schnee ausbleibt. […] Es ist eine charmante Bühnenfassung, liebevoll und sehr nah am Text, die Jonas Knecht mit den Berner Schauspielern erarbeitet hat.»

Column: 2

Corinna Hirne im “Bündner Tagblatt” vom 10.11.2019:
«Regisseur Jonas Knecht gelingt eine skurrile, witzige und karikaturhafte Uraufführung von “Der letzte Schnee” des Bündner Autors Arno Camenisch am Konzert Theater Bern mit klimapolitischem Impetus. […] Die Inszenierung ist eine Metapher für unser Nichtstun. Wie im Schlepplift bleiben wir passiv auf unserer Bahn. Die Klimaveränderung ist eine Tatsache, die wir ignorieren. Währenddessen geht unsere Welt kaputt wie die Hütte im Stück.
Unübersehbar liegt hier ein neuer Becket vor. Auch Camenisch lässt Paul und Georg wie Estragon und Wladimir im Kreis drehen. Insofern passen die langfädigen Momente der Regie gut, um die Zuschauenden auf sich selbst zurückzuwerfen. Die Nervosität, die sich dabei einstellt, das ist die Botschaft des Abends.»

Column: 3

Daniele Muscionico in der NZZ vom 22.12.2019:
«Der stille, poetische und hochmusikalische Abend basiert auf dem gleichnamigen Roman von Arno Camenisch und wird stets vor ausverkauften Reihen gespielt. […] Die erste Fassung, noch vom Autor selber, wurde als ungenügend bewertet – Jonas Knecht als Regisseur, Dramaturg Michael Gmaj und das Ensemble entwickelten eine verdichtete und dabei dichterische Version. Sie ist in ihrer musikalischen Kraft (Anna Trauffer sorgt für Naturtöne) und in ihrer dramatischen Energie dem Original nicht nur ebenbürtig, sie ist ihr in etlichen Passagen sogar überlegen.
Denn hier wird aus Text Spiel, aus Sprache Musik und aus Musik Sprache. Die Produktion kennt die Mittel des Theaters und setzt sie effektsicher ein. Der Mehrwert ist enorm. Die Camenisch-Sätze und Camenisch-Themen – der Verlust von Tradition und von Herkunft – gewinnen an Tiefe und Kraft. Am Ende werden zwei neu eingeführte Götterboten («Spezialisten der Vergänglichkeit») das Bühnenbild von Markus Karner auf kalte, aber entschiedene Weise in seine Teile zerlegen. Doch was tun die nun unbehausten Menschlein sodann? Die Antwort führt ins Theater. In einen Abend, der Camenisch entdeckt, wie dieser sich selber so wahr wohl nicht kennt.»


Trailer


Zum Stück

Da sitzen zwei Männer am Skilift und können kein Wässerchen trüben. Sie sortieren Bügel, ordnen Billette und lassen ab und an eine Bemerkung zur Lage der Welt fallen. Dabei könnte ihnen todsicher eines die Laune trüben: Es ist Winter und es fällt kein Schnee. Die Skifahrer bleiben aus. Was tun? Weitermachen, sprich erzählen, fantasieren, fabulieren. Vielleicht lässt er sich ja herbeireden, der Schnee, wenn man so tut, als ob nichts wäre.
Arno Camenischs Roman ist charmant und etwas skurril, und er lebt wie Ustrinkata und Fred und Franz, die beide an Konzert Theater Bern uraufgeführt wurden, von seinen liebenswert-schrulligen Hauptfiguren. Diesmal ist er aber auch hochpolitisch, weil er erzählt, wie eine sich erwärmende Natur unser Leben verändert und zum Verschwinden bringt.

Jonas Knecht ist Schauspieldirektor am Theater St. Gallen und experimentiert dort mit Formaten, Texten und Dialekten. Mit der Berner Kontrabassistin Anna Trauffer übersetzt er Camenischs Roman in einen stillen, melancholischen Theaterabend, in dem es vielleicht nie wirklich schneit, die Musik uns aber von längst vergangenen Schneelandschaften träumen lässt.


Besetzung

Regie Jonas Knecht
Bühne & Kostüm Markus Karner
Live-Musik Anna Trauffer
Sounddesign Albrecht Ziepert
Licht Hanspeter Liechti
Dramaturgie
Michael Gmaj

Spiel Anna Trauffer, David Berger, Jonathan Loosli, Luka Dimic, Mathis Künzler